Mit Sorgfalt Geschichte(n) erkunden

Es hat ein paar Seiten gedauert, bis mich dieser Roman erreicht hat. Aber dann hat er mich nicht mehr losgelassen. Die Restauratorin Helen Mazawian begibt sich in "Hier sind Löwen" auf eine Reise von Deutschland nach Armenien, wo sie eine alte Hausbibel restauriert und in die armenische Buchbindekunst eingeführt wird. Seite für Seite, Schicht für Schicht, enthüllt sie nicht nur die Geschichte dieses Buchs, sondern erkundet parallel dazu fast contre coeur auch ihre eigene Familiengeschichte. Der Roman spielt im Wesentlichen auf zwei Zeitebenen - der Zeit des Völkermords an den Armeniern, im Buch anhand der Fluchtgeschichte zweier Geschwister erzählt, und der Gegenwart. Die beiden Ebenen werden durch die alte Bibel verknüpft. Detailgetreu schildert die Autorin Katerina Poladjan die Arbeit an den alten Schriften; diese Detailtreue, die mich sonst in Büchern nervt, ist hier genau richtig am Platz: sie führt mich als Leserin behutsam an ein schmerzhaftes Thema heran, mit der gleichen Behutsamkeit, mit der die Restauratorin sich ihrer Arbeit widmet. "Hier sind Löwen" ist ein Roman über die unkappbaren Fäden der Geschichte, die Unsterblichkeit des geschriebenen Wortes, über die Vergänglichkeit des Lebens und gleichzeitig eine Einladung, dieses Leben zu feiern - auch wenn man dafür manchmal weit reisen muss.


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